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Staubsaugen vor der Eröffnung

Projektleiter des Umbaus der Mühle in die Klangschmiede ist Alois Ebneter. Der ehemalige Gemeindepräsident von Alt St. Johann ist seit vielen Jahren mit der Klangwelt sehr eng verbunden. Nach der Eröffnung bleibt er der Klangschmiede erhalten und wird Kontakte mit Schmieden und den Hochschulen pflegen.

Herr Ebneter, nun wird ihre monatelange Hintergrundarbeit sichtbar. Wie fühlen Sie sich dabei?
tl_files/klangwelt/Klangschmiede/Bilder_allgemein/110630_tt_aebneter.jpgAlois Ebneter: Sehr gut fühlen werde ich mich vermutlich erst nach der Eröffnung. Zurzeit ist es zu stressig hier. Alle sind im Endspurt, viele Details müssen noch erledigt werden und dabei packen alle auch Ungewohntes an. Gestern habe ich im Schopf Staub gesaugt statt zu Mittag gegessen. Wahrscheinlich werden wir alle erst am Montag nach der Eröffnung realisieren was hier eigentlich geleistet wurde.

Nun wird die Klangschmiede eröffnet. Was bedeutet das für den Betrieb ab Montag 4. Juli?
Alois Ebneter: Der Betrieb läuft schon während der Eröffnung. Ein Schmied ist da, ein Hackbrettbauer, ausserdem Führer und Freiwillige, die das Haus, die aktuelle Ausstellung oder das Klanglabor zeigen. Die Klangschmiede ist richtig offen ab Dienstag und dann jeweils nachmittags von Dienstag bis Freitag. Jeden zweiten Samstag ist es ebenfalls offen, dann gibt es auch Führungen. Man muss das so sehen: Die Klangschmiede ist Museum und Werkstatt zugleich. Man wird die Kunsthandwerker oft, aber nicht immer antreffen. Der Betrieb startet auf kleinem Niveau und wird stetig wachsen. Das ist ein Entwicklungsprozess, der langsam ins Rollen kommt.

Welche Art Kurse gibt es nun, was ist schon buchbar?
Alois Ebneter: Es gibt bereits ab dem Oktober fünf Werkstattkurse, darunter Kurse zum Bau einer Psalterharfe, einen Santur- und einen Gong-Baukurs. Das Santur ist der persische Vorläufer des Hackbretts, es ist etwas einfacher konstruiert und damit gut als Einstieg für am Hackbrettbau Interessierte geeignet. Der allererste Kurs in der Schmiede ist ausgebucht, der Weidschellenkurs.

Arbeiten Sie weiter bei Klangwelt Toggenburg und was sind Ihre künftigen Aufgaben?
Alois Ebneter: Ich werde mich darauf konzentrieren, die guten, aber seltenen Schellenschmiede in der Schweiz und im Ausland aufzustöbern. Ich habe schon die Fühler in die Inner- und Westschweiz ausgestreckt, es gibt erstaunlich viele Gemeinsamkeiten im Bereich Schellenbau. Meine Aufgabe wird sein, diese Kunsthandwerker hierher zu bringen, um ihr Wissen in dieser Kunst zu vermitteln und zu zeigen. Beim Hackbrett muss ich mich noch einarbeiten, aber auch hier gilt, die besten Hackbrettbauer, auch aus dem Ausland, nach Alt St. Johann zu bringen. Es haben sich auch schon Schulen gemeldet, zum Beispiel die Fachhochschule Buchs, die sich in einem Projekt wissenschaftlich mit der Schellenschmiederei befassen will. All dies zu koordinieren wird meine Aufgabe sein.

Wann wird man Schmiede, Hackbrettbauer und Gasthandwerker erstmals beobachten können?
Alois Ebneter: Ich denke ab dem Herbst werden wir die eine oder andere Koryphäe einladen können. Inwieweit das dann öffentlich sein wird, weiss ich noch nicht. Im Rahmen der beiden offenen Samstage werden wir bestimmt unseren Ostschweizer Schellenschmieden bei der Arbeit zusehen können. Wie gesagt, wir bauen die Schmiede, die Hackbrettwerkstatt und die Abteilung Halszitherbau langsam aber stetig auf.

Ist das Klanglabor auch schon betriebsbereit?
Alois Ebneter: Das ist betriebsbereit. Es kann an den beiden offenen Samstagen erlebt werden. Das ist aber nur bei Anwesenheit der Klangbegleiter möglich und darum ist es unter der Woche nicht geöffnet. Für professionelle Klangexperimentierer steht es auf Absprache ab sofort zur Verfügung.

Das kleine Kraftwerk neben dem Haus versorgt die Klangschmiede mit elektrischer Energie. Ist es auch schon in Betrieb?
Alois Ebneter: Das ist schon seit ein paar Wochen in Betrieb. Wir haben erste Erfahrungen gemacht und gesehen, dass wir unseren Strombedarf bei weitem decken und zudem etwa sechs weitere Haushalte versorgen können. Das heisst nicht, dass wir autark sind, sondern wir speisen die Energie ins Netz der SAK ein.

Wann wird das erste Hackbrett gebaut, die erste Schelle geschmiedet sein?
Alois Ebneter: Man darf nicht vergessen, dass das Wissen um das Schmieden unserer wunderschönen Senntumsschellen in vielen Jahren, zwei, drei Jahrhunderten erarbeitet wurde. Wir können also nicht erwarten, dass die Klangschmiede innert ein paar Wochen zum absoluten Top-Zentrum des Schellen-Schmiedens wird. Für mich wäre es ein Erfolg, wenn innert fünf Jahren die erste Senntums-Schelle aus der Schmiede käme. Beim Hackbrett wird es etwas zügiger gehen. Aber wir sind ja kein Produktionsbetrieb, Hackbretter werden andernorts von bewährten Handwerkern bereits hergestellt. Das erste Hackbrett wird die Klangschmiede wohl als Ergebnis eines Kurses verlassen.

© 2011 Michael Hug. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung Verlag Toggenburger Tagblatt.

Datum: 30.06.2011 08:00

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Unter dem Namen „KlangWelt Toggenburg“ werden seit 2003 Aktivitäten und Angebote zusammengefasst, welche die wichtigsten Formen der Musikkultur zwischen Säntis und Churfirsten in der Ostschweiz vermitteln: den Naturjodel, den Alpsegen, die Schellen als Elemente der Alpkultur und das Hackbrett als naturtöniges Saiteninstrument in der Tanzmusik. Kennzeichnend für diese einzigartige, in der einheimischen Bevölkerung stark verwurzelte Klangkultur sind die untemperierten Naturtöne, welche überraschende Verbindungen zu anderen Musikkulturen in Europa, Afrika und Asien herstellen. Gerade solche Brückenschläge zwischen lokaler und fremder Kultur, aber auch die Spannungsverhältnisse zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Spiritualität und Alltäglichkeit, zwischen freiem Experiment und strenger Form machen die Lebendigkeit von KlangWelt Toggenburg aus. KlangWelt Toggenburg bietet vielfältige Erlebnisse zum Thema Klang in Klangkursen, auf dem Klangweg, bei Klangfestivals und Konzerten, mit Klangwellness, in der Klangschmiede und in ein paar Jahren auch im Klanghaus am Schwendisee.