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Klangschmiede: Die Werkstatt der KlangWelt Toggenburg kommt voran

Die Umbauarbeiten sind im vollen Gang: Aus dem Haus "zur Mühle" in Alt St. Johann entsteht die Klangschmiede. In einigen Wochen werden die Handwerker aus- und die KlangWelt einziehen. Ruhig wird es auch dann nicht. Die Verantwortlichen haben viele Pläne, was in der Klangschmiede zukünftig passieren soll.

Der Winter macht ein paar Tage Pause. Das milde Klima lässt die Schneefelder schmelzen und die Flüsse anschwellen. Neben der Klangschmiede in Alt St. Johann rauscht der Bach laut. Drei Mitarbeiter der Firma Motorsänger nutzen das gute Wetter. Sie stehen neben dem Bach – tief im aufgeweichten Boden – und montieren einen grossen Metallkanal. Durch diesen wird im Frühjahr das Wasser auf das Wasserrad geleitet. Der damit produzierte Strom und die Energie wird im Haus genutzt. Verantwortlicher Fabio Guidi ruft seinen Mitarbeitern kurze Befehle zu. Millimeter um Millimeter wird ausgerichtet und verschoben. «Das Wasserrad werden wir etwa im März montieren können», erklärt Guidi. Bis dahin gebe es aber noch viel zu tun, ruft er durch das Rauschen des Wassers.

Im Haus zur Mühle ist es nicht viel leiser. Mit Presslufthämmern werden Teile des alten Kamins im ersten Stock abgetragen. Der Staub liegt hoch. Ziegelstein um Ziegelstein fällt auf den Boden. Auf diesem Stock entsteht die Holzwerkstatt, in der künftig Hackbretter und andere Holzinstrumente gefertigt werden.

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Dutzende leerer, blauer Elektrorohre ragen aus den Wänden und Decken. Bis der Elektriker die Drähte einziehen kann, braucht es noch einige Wochen. Die Vorbereitungen zur Wandverkleidung sind weit fortgeschritten, die definitive Zimmereinteilung nun klar ersichtlich. Es liegen Werkstoffe herum, die noch verbaut werden müssen. «Der Zeitplan ist eng, aber realistisch», erklärt Projektleiter Alois Ebneter. Überall werden Leitungen verlegt, Vorbereitungen für die Montage der Küche und sanitären Anlagen sind im Gange. Im zweiten Stock kleben auf den Balken historische Tapeten, die vom Maler in akribischer Kleinstarbeit restauriert werden. «Wir versuchen die alte Substanz möglichst zu erhalten, dabei aber die Ansprüche für die neue Nutzung zu berücksichtigen», erklärt Alois Ebneter. Dass dies nicht immer einfach ist, kann man sich vorstellen. Zu beachten gab es zahlreiche Vorschriften, beispielsweise die des Brandschutzes. Zusammen mit dem Herisauer Architekten Paul Knill, dem Bauleiter Bernhard Güttinger aus Nesslau und der Baukommission wurde das Projekt stetig weiterentwickelt. Wie bei einem Umbau eines Altbaus üblich, musste auf Überraschungen reagiert werden. «Dank einer guten Planung und dem fundierten Wissen um die Substanz blieben Konzeptänderungen aber weitgehend aus», so Ebneter.

Transport war eine Herausforderung

Weit fortgeschritten sind die Arbeiten im Erdgeschoss. Hier werden zukünftig Schmiede aus der Region und aus der ganzen Welt Schellen und andere Klanginstrumente aus Metall produzieren. Die Esse wurde kürzlich eingebaut. Im darüberliegenden Stockwerk sind Handwerker daran einen neuen Kamin für die Abluft zu mauern. Der Schmiedehammer steht noch verpackt an der Wand. «Der Transport von Hammer und Esse war eine Herausforderung», erklärt Projektleiter Alois Ebneter. Weil die Türen um einiges kleiner sind, musste der tonnenschwere Hammer gekippt und mit einem Kran ins Haus verschoben werden.

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Der Dachdecker Willi Bösch ist seit Mitte November daran, gegen 80'000 handgemachte Schindeln anzuschlagen.

 

80'000 Schindeln angeschlagen

Während es im Haus noch stark nach Rohbau aussieht, ist die Fassade demnächst fertig saniert. Die Front wurde neu gestrichen. Die drei anderen Seiten werden mit Schindeln abgedeckt. Der Dachdecker Willi Bösch ist seit Mitte November daran, gegen 80'000 handgemachte Schindeln anzuschlagen. Anfangs Februar sollen diese Arbeiten fertig sein. Im Januar hat er Hilfe aus Einsiedeln bekommen. Urs Kälin unterstützt die Arbeiten. «Ich bin für einige Tage hier und freue mich das Projekt unterstützen zu können», erklärt er. Dass die  Klangschmiede eine Schindelfassade erhält ist 500 Spenderinnen und Spendern zu verdanken, die das Projekt finanziell unterstützen.

Einweihung im Sommer
In einigen Wochen werden die Handwerker aus- und die KlangWelt einziehen. Ruhig wird es auch dann nicht. Die Verantwortlichen haben viele Pläne, was in der Klangschmiede zukünftig passieren soll. Im April soll der Betrieb aufgenommen und im Sommer das Haus eingeweiht werden.

«Klangschmiede» im Überblick
Erdgeschoss: Schmiederaum mit Esse, Verkaufsladen mit KlangWelt-Produkten, Keller.
1. Stock: Hackbrett- und Halszither-Werkstatt mit Entwicklungs- und Planungsraum, Küche und Pausenraum.
2. Stock: Ausstellungsräume mit Hausorgel, Klanglabor und weiterem Klangexperimentier-Raum.
3. Stock: Büros für Geschäftsstelle KlangWelt Toggenburg, zwei Zimmer für «Artist in Residence» (Künstler aus anderen Kulturregionen, die hier arbeiten).

Text: Stephan K. Haller


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Datum: 19.01.2011 08:00

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Unter dem Namen „KlangWelt Toggenburg“ werden seit 2003 Aktivitäten und Angebote zusammengefasst, welche die wichtigsten Formen der Musikkultur zwischen Säntis und Churfirsten in der Ostschweiz vermitteln: den Naturjodel, den Alpsegen, die Schellen als Elemente der Alpkultur und das Hackbrett als naturtöniges Saiteninstrument in der Tanzmusik. Kennzeichnend für diese einzigartige, in der einheimischen Bevölkerung stark verwurzelte Klangkultur sind die untemperierten Naturtöne, welche überraschende Verbindungen zu anderen Musikkulturen in Europa, Afrika und Asien herstellen. Gerade solche Brückenschläge zwischen lokaler und fremder Kultur, aber auch die Spannungsverhältnisse zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Spiritualität und Alltäglichkeit, zwischen freiem Experiment und strenger Form machen die Lebendigkeit von KlangWelt Toggenburg aus. KlangWelt Toggenburg bietet vielfältige Erlebnisse zum Thema Klang in Klangkursen, auf dem Klangweg, bei Klangfestivals und Konzerten, mit Klangwellness, in der Klangschmiede und in ein paar Jahren auch im Klanghaus am Schwendisee.